Olivenöl Test - Stiftung Warentest testet 28 Olivenöle und findet keine Polyphenole, unsere Analyse

Der Schwindel mit dem Milden Olivenöl

Quelle:  stern
© Gruner + Jahr AG & Co. KG

Es ist alles eine Frage des Preises:

Die Produktion ist gezielt auf den Billigmarkt ausgerichtet. Was in den Massenhandel gelangt, sind daher oft industrielle, müde Öle – kalorisch hoch, phenolisch und geschmacklich schwach. Hier werden die Oliven nicht gepflückt, sondern vom Baum geschlagen – wenn der Bauer nicht lieber abwartet, bis die überreifen Früchte matschig zu Boden gefallen sind, wo er sie maschinell zusammenfegen kann. Die so geernteten Früchte sieht man dann oft in Säcken am Straßenrand stehen, wo sie in der Sonne vor sich hin schwitzen, gammeln und faulen.
Und das daraus bereitete Öl? Es stinkt, und sein Bestand an freien Ölsäuren, Zeugnisse angegammelter Früchte, übersteigt den zulässigen Grenzwert von 0,8 Prozent auf den Liter schnell bei Weitem.

Wird es nun weggegossen, kommt es in Öllampen oder in Lacke? Nicht doch. Es gibt ja die Ölraffinerie. Und es gibt Deutschland. Viele Konsumenten dort kennen den typischen frischen Geschmack von Olivenöl nicht, das manchmal grasige, blumige, nach Artischocken oder frischem Heu duftende Aroma, die leichte Bitterkeit und Schärfe am Gaumen.

“Und es gibt Deutschland. Viele Konsumenten dort kennen den typischen frischen Geschmack von Olivenöl nicht.”

Nach Deutschland lässt sich auch Öl verkaufen, das ein Chemiker im Lebensmittellabor erst entstunken und dann durch Verschneiden notdürftig aufgefrischt hat. Der Geschmack hat sich den schlechten Qualitäten angepasst. Für den deutschen Markt werden besonders mild schmeckende Öle kreiert und als hochwertig verkauft. Es ist, als präsentierte man in Papua-Neuguinea Cindy aus Marzahn als “Germany’s next Topmodel”.


2013 importierte Deutschland 57 Millionen Liter Olivenöl, fast Dreiviertel davon aus Italien. Viele denken dabei an die schönen Olivenhaine in der schönen Toskana. Doch das Öl, das der deutsche Kunde kauft, stammt nicht immer von dort. Die italienische Herkunft dient auch dem Marketing. Ein italienischer Name auf der Flasche zahlt sich im Einzelhandel immer aus. Wie der Blick ins Regal bei Rewe zeigt. Dort finden sich etwa Carapelli-Firenze, Sasso, Bertolli, Pietro Coricelli. Klingt gut. Schmeckt aber selten so. Wie sollte das auch anders sein, deckt die Produktion von Olivenöl in ganz Italien nicht einmal den eigenen Bedarf. Wenn überhaupt irgendein italienisches Olivenöl das Land verlässt, dann landet es kaum in den Supermärkten, sondern im Fachhandel und nicht zu Billigpreisen, denn in der Toskana – wo fast ausschließlich von Hand geerntet werden kann – ist Olivenöl kostendeckend unter zwölf Euro pro Liter kaum zu erzeugen.”


“In Spanien liegen – bedingt durch die Subventionspolitik der EU – die größten Problemzonen des Olivenanbaus. Besonders in Andalusien betreiben die Grundbesitzer heute riesige Oliven-Monokulturen. Auch die Lieferanten der AOV stammen von hier, darunter Firmen, die mit öffentlichen Geldern bezuschusst werden. Natürlich gibt es auch hochklassiges Öl in Spanien. Doch das ist so teuer wie überall sonst und gelangt allenfalls in den Fachhandel. Natürlich ließe sich spanisches Öl theoretisch auch als solches vermarkten – aber es hat keinen Ruf. Den hat italienisches Öl.


So gelangt das spanische Massenöl, wie auch das aus anderen Ländern, per Schiff über das Mittelmeer in den Hafen von Livorno. Weiter geht es mit dem Tanklaster quer durch die Toskana, bis die Laster auf den Höfen von Betrieben wie etwa der AOV in Monteriggioni ihre Fracht in einen der Tanks ablassen.”